Goldsponsoren

 

Raiffeisen neu

sportpark

apo neu 200x150

fitnesscenter

banner

 

Der Mozart100
Ein Trailrun der Ultra-TrailⓇWorld Tour

Es ist 3:45 in der Früh als der Wecker zum ersten mal an diesem Samstag den 4. September 2021 klingelte. Doch zu diesem Zeitpunkt war ich schon lange wach und überprüfte gefühlt zum 10ten mal meine Ausrüstung. Ist alles da? Habe ich genügend Getränke eingepackt, sitzt die Trailweste oder sollte ich lieber die Regenjacke doch zuunterst einpacken und um Himmelswillen wo sind meine Gummibärchen.

Um 4:20 mache ich mich auf den Weg zum Kapitelplatz wo sich Start und Ziel des Mozart100 befanden. Dort angekommen noch kurz die Kontrolle der Pflichtausrüstung, alles Ok! Dann kann es ja losgehen. Pünktlich um 5:00 heisst es dann für mich und ca. weitere 270 Läufer und Läuferinnen auch schon Go,Go,Go.

Die ersten Kilometer schlängeln wir uns wie eine Gruppe wildgewordener Glühwürmchen durch die Salzburger Innenstadt. An den Kreuzungen und Strassenübergängen sind Polizisten und freiwillige Helfer im Einsatz die dafür sorgen, dass wir unbeschadet und sicher passieren können.
Nach circa 8 Kilometer verlassen wir den asphaltierten Teil der Strecke und sind dann fast nur noch auf Trails und Feldwegen unterwegs. Nach dem ich in Fuschl am See angekommen bin, habe ich die ersten 31 Kilometer hinter mir und es ist Zeit die erste richtige Pause. Jetzt heisst es Tshirt- und Schuhwechsel, Getränke und Vorräte auffüllen, kurz die Beine lockern und weiter gehts. Man will schliesslich nicht zu spät zu seinem Rendezvous mit dem Zwölferhorn kommen. Oben auf dem Gipfel angekommen, nahm ich mir die Zeit kurz zu verweilen und die wirklich herrliche Aussicht zu geniessen. Den was danach kam war alles andere als entspannend. Es folgte eine für mich sehr anspruchsvolle Downhill Passage von rund 1000 Höhenmeter am Stück. Sehr konzentriert und fokussiert, wie und wo man den nächsten Schritt setzte, war entscheidet, wenn man nicht als menschliche Kanonenkugel den Berg herunter rollen wollte. Kurz vor St.Gilgen treffe ich auf einen Wegposten, der mit seiner Glocke die Läufer zu Höchstleistung motivierte und je nach Bewerb die Teilnehmer in die richtige Richtung wies. Gerne auch mal mit dem Spruch: Da geht's nach St.Gilgen, in 40 Kilometer sehen wir uns hier wieder (Motivieren kann er ;-).

Nach einem kurzen Stopp beim Verpflegungspunkt am Wolfgangsee geht es dann weiter auf die Schafbergalm. Der Anstieg ist diesmal gefühlt unwegsamer und insgesamt schwerer als der vorherige hoch zum Zwölferhorn. Dies ist auch das erste Mal, dass meine Oberschenkel Beschwerde einlegen. Aber damit müssen sie jetzt halt leben (Sie werden es mir die darauffolgenden Tage mit einem meiner schlimmsten Muskelkater danken). Zumindest positiv ist, dass dieser Teil der Strecke fast ausschliesslich im Wald verläuft. Die vorherrschenden Temperaturen um die Nachmittagszeit hätten mir sonst sicher den Rest gegeben. Oben angekommen ein Blick auf die Uhr: 55 Kilometer, Halbzeit!! Juhuu.

Jetzt geht es im wahrsten Sinn des Wortes erstmal abwärts. Vorbei an der Falkensteinkirche zurück nach St.Gilgen. Am gleichen Verpflegungspunkt wieder angekommen setze ich mich für 10 Minuten auf Bank und geniesse ein alkoholfreies Weizenbier. Gestärkt und mit voller Motivation heisst es jetzt auf zurück nach Fuschl am See. Auf dem Weg dorthin sind immer wieder kleine bis mittlere Anstiege und Downhill Passagen zu überwältigen. Viel Rennen lag da zwar nicht drin, zumal sich kurz vor Fuschl auch noch meine Unterschenkel meldeten und mir ebenfalls, wenn ich sie ignoriere würde, mit einem tierischen Muskelkater drohten. 

Ich komme ca. eine Stunde vor der offiziellen Cutoff Zeit in Fuschl an. Dort angekommen, werde ich von den Helfern der Verpflegestation mit motivierenden Worten und einigen Jubelrufen in Empfang genommen. Ich wechsle zum zweiten und letzten Mal Schuhe und Tshirt, fülle meine Flaschen auf und weiter gehts. Doch ich verlasse die Station nie, ohne mich bei all den tollen Menschen an den Verpflegestationen zu bedanken, die immer dafür Sorge getragen haben, dass es mir praktisch an nichts gefehlt hatte. Ohne diese vielen fleissigen Helfer wäre ein solches Event sicher nur schwer umsetzbar gewesen.
Vielen Dank Euch dafür.

So langsam, aber sicher bricht die Nacht an und ein weiteres Mal wird die Stirnlampe montiert. An der vorletzten Labestation, es ist mittlerweile kurz nach 23 Uhr erhalte ich vom Veranstalter ein zusätzliches GPS-Gerät mit den Worten: Das ist für deine Sicherheit wenn Du jetzt über den Nocksteins gehst. Ich schaue nach oben und denke mir: Neiiiin oder besser heilige Sch.. da musst Du jetzt noch drüber. Aber was solls, man ist ja nicht zum Spass hier :-).
Trotz dass es mittlerweile Stockdunkel ist und ich ohne Stirnlampe praktisch meine eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen kann, heisst es Attacke und rauf auf den Nockstein denn irgendwie müssen ja die fast 5000 Höhenmeter zusammen kommen. Oben angekommen sehe ich zum ersten Mal die hellerleuchtende Stadt Salzburg. Das Ziel schon in greifbarer Nähe, dachte ich zumindest. Der Downhill vom Nockstein runter wollte gefühlt nicht enden. Es geht technisch sehr anspruchsvoll über Singletrails, schmalen Waldwegen und durch ein ellenlanges trockenes mit Geröll gefülltes Bachbett. Ich komme aus dem Wald heraus, wechsle kurz 2-3 Worte mit den Helfern, die dafür sorgen das ich sicher auf die andere Seite der Strasse komme und verschwinde dann schon wieder in das nächste dunkle Waldstück.

Es dürften jetzt noch etwa 3-4 Kilometer bis zum Kapitelplatz gewesen sein. Das Ziel quasi schon vor Augen doch dieser Lauf wäre nicht der Mozart100 wenn man dann nicht noch einmal über den Kapuzinerberg drüber rennen durfte. Die gefühlt nicht enden wollend Treppenstufen bis zur Spitze des Kapuzinerberges können einem schon den Rest geben. Aber fürs Aufgeben habe ich keine Zeit mehr, man will ja noch in der regulären Zeit ins Ziel kommen. In Salzburg angekommen bahne ich mir meinen Weg durch viele kleine Strassenzüge, vorbei an vielen Menschen die dort ausgelassen feierten. Spontan begleiteten mich eine Horde junger Erwachsener über die Staatsbrücke, die sichtlich erstaunt waren das man Nachts um kurz vor 3 noch in voller Laufmontur durch Salzburg rennt. Doch die Euphorie hielt nicht lange bei den Nachtschwärmern an und kurz darauf widmeten sie sich wieder dem Salzburger Nachtleben.

Jetzt noch einmal vom Mozartplatz quer über den Residenzplatz auf direktem Weg zum Kapitelplatz ins Ziel. Es ist 2:50 am Sonntagmorgen als ich Ziellinie überlaufe, trotz dass ich erst kurz vor Schluss einlaufe, werde ich von den dort anwesenden wie der Sieger des Rennens empfangen. Sichtlich erschöpft aber glücklich und stolz die 108 Kilometer mit rund 5000 Höhenmeter geschafft zu haben, durfte dann aber auch das obligatorische Finisherbier nicht fehlen. Im Race-Office wurde mir dann noch ein eingerahmtes Bild von meinem Zieleinlauf überreicht (Wie geil ist das den). Im Anschluss lasse ich mir ein Taxi rufen und fahre zurück ins Hotel (Gehen hätte ich zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr können).

Wenn ich dieses Rennen mit einem Satz beschreiben sollte, würde ich gerne einen Mitläufer zitieren, der mir bei unserem Abschlussbier folgendes sagte: Ich werde glaub nie wieder Rennen können, also bis nächstes Jahr!

Stefan Stiehl

Besucherzähler

Heute 11

Woche 143

Insgesamt 36318